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Stellungnahme zum Aktionsplan 2021–2024 des Bundesministeriums für Gesundheit

Stellungnahme AMTS

(03.12.2020) Stellungnahme zum Aktionsplan 2021–2024 des Bundesministeriums für Gesundheit zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit in Deutschland der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft (DPhG), Fachgruppe Allgemeinpharmazie. Die Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) beschreibt die Gesamtheit der Maßnahmen, um einen optimalen Medikationsprozess zu gewährleisten.

Die Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) beschreibt die Gesamtheit der Maßnahmen, um einen optimalen Medikationsprozess zu gewährleisten.1

Das Ziel aller am Medikationsprozess Beteiligten ist es, dem Patienten eine nutzbringende und sichere Therapie zu ermöglichen, sowie die Anzahl der vermeidbaren Medikationsfehler zu verringern. Diese Fehler sind vielfältig und können in allen Phasen des Medikationsprozesses auftreten. Sie können sich von der unzweckmäßigen Verordnung, über Informationsaspekte bei der Therapie bis hin zu Interaktionen mit anderen Arznei- und Nahrungsmitteln erstrecken. Der demographischen Entwicklung geschuldet, ist man zusätzlich zu dieser Grundproblematik vermehrt mit älteren und chronisch kranken Patienten konfrontiert und damit eingehend komplexeren Therapieregimen, die in ihrer Gesamtheit überblickt werden müssen.

Der wichtigste Pfeiler der Arzneimitteltherapiesicherheit ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen allen am Medikationsprozess beteiligten Akteuren. Deshalb gilt es, den Austausch zwischen diesen zu fördern. Der Grundstein dafür sollte schon in der Arzt- und Apothekerausbildung, z.B. durch gemeinsame Unterrichtsveranstaltungen, gelegt werden. Bei der Gestaltung solcher Modellprojekte zur Entwicklung eines interprofessionellen AMTS-Lernkonzeptes von Medizin und Pharmazie, sollten neben den im Aktionspapier genannten Gruppen auch Vertreter aus den wissenschaftlichen Organisationen der beiden Berufsstände sitzen, da diese eine Einheitlichkeit zwischen den Standorten ermöglichen können. Zudem gilt es jedoch hervorzuheben, dass auch im Rahmen von Fort- und Weiterbildungskonzepten eine stringente Zusammenarbeit zwischen allen Gesundheitsbereichen aufrechterhalten werden sollte.

Der Patient selbst nimmt eine wichtige Rolle im Medikationsprozess ein, da mit seiner Akzeptanz und seinem Bewusstsein für die Therapie, der Grundstein für deren Erfolg gelegt wird. Fehlendes Verständnis auf Seiten des Patienten für seine Therapie und vor allem für seinen persönlich zu erwartenden Nutzen, schmälern die Bereitschaft zur regelmäßigen Einnahme von Arzneimittel empfindlich. Elementar ist, dass sowohl Arzt als auch Apotheker gemeinsam, nutzenorientiert im Sinne einer verbesserten Adhärenz argumentieren.

Die falsche Anwendung von Arzneimitteln führt in der Praxis oftmals patientengruppenübergreifend zu Problemen mit folgenreichen Fehlern. Im Speziellen sind z.B. kognitiv eingeschränkte Patientengruppen besonders gefährdet. Ein Problem, das durchwechselnde Arzneimittel aufgrund von Rabattverträgen und Lieferengpässen noch verschärftwird. Die Gesamtheit der Einnahme von freiverkäuflichen Medikamenten und auch vonNahrungsergänzungsmitteln, wird aktuell nicht systematisch erfasst und deren Risiken für denPatienten zudem regelmäßig, patientenseitig unterschätzt.

Durch E-Rezept und E-Patientenakte könnte eine systemische Erfassung von freiverkäuflichen Medikamenten und Nahrungsergänzungsmitteln realisiert werden, sowie Mehrfachverordnungen durch den Besuch mehrerer Ärzte verhindert und Neuverordnungen eingeordnet werden. Eine globale Bewertung der Medikation in seiner Gesamtheit wäre dadurch möglich.

Von den im Aktionsplan geplanten Projekten sind folgende zu priorisieren:

1.) Förderung der interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen Akteuren im Gesundheitswesen, schon während des Studiums

2.) Miteinbeziehung des Patienten in den Medikationsprozess durch verständliche Informationen

3.) Weiterentwicklung des E-Rezept-Prozesses unter Berücksichtigung von AMTS-Aspekten, sowie der elektronischen Patientenakten

4.) Durchführung eines Forschungsprojekts zur Abbildung komplizierter Dosierschemata im bundeseinheitlichen Medikationsplan und damit dessen Verbesserung

5.) Förderung einer systematischen Übersichtsarbeit zur Arzneimittelanwendung bei Patientinnen und Patienten mit eingeschränkten kognitiven Fähigkeiten

6.) Vereinfachung der Meldung von neu auftretenden Nebenwirkungen im Rahmen der Pharmakovigilanz

Des Weiterem wird vorgeschlagen, folgende Aspekte zusätzlich in den Aktionsplan aufzunehmen:

1) Förderung einer systematischen Übersichtsarbeit zu Anwendung und Risiken von freiverkäuflichen Arzneimitteln und Nahrungsergänzungsmitteln.

2) Förderung einer systematischen, aktualisierten Übersichtsarbeit zum Patientenverhalten in Bezug auf die regelmäßige Einnahme von Medikamenten, respektive der Nicht-Einnahme, sowie den Effekt einer regelmäßigen nutzenorientierten Argumentation für das Arzneimittel.

3) Förderung der interdisziplinären Zusammenarbeit durch gemeinsame Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen von allen im Gesundheitswesen tätigen Berufen.

Insgesamt werden die im Aktionsplan angedachten Maßnahmen begrüßt, insbesondere hervorgehoben die verstärkte Förderung einer interdisziplinären Zusammenarbeit beginnend schon während der Ausbildung, sowie die Fokussierung auf den Patienten. Denn wie bereits oben angeklungen, können sich alle beteiligten Berufe noch so sehr bemühen eine Arzneimitteltherapiesicherheit zu erreichen, wenn der Patient selbst nicht seinen Teil dazu beiträgt und diesbezüglich entsprechend trainiert wurde. Letztendlich sind der Patient und sein Verständnis für die Therapie, der entscheidende Schlüssel zum Erfolg.

Fachgruppe Allgemeinpharmazie der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft (DPhG)

Dr. Anke Ritter, Nadine Metzger, Stefan Göbel

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1 Definition Arzneimitteltherapiesicherheit